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Einsamkeit im Samtgewand

Den Rausch ausstoßen, den Schlieren hinterherträumend. Ein bisschen an den Fingernägeln kauen. Geplättet, ermattet, auf Samtsofas hockend, innerlich am kauern. Nervöses Streifen, melancholisches Sinnieren. Draußen der Lärm der Straßen, rauschend, niemals still. Draußen abertausend Bewegungen, Wirrungen des Verkehrs. Und die rastlosen Menschen umherstreifend, starren, doch sehnsüchtigen Blickes, vielbeschäftigt ziellos sein.
Das einzig Greifbare ist die Einsamkeit und der Joint in der Hand, aber auch der ist einmal aus, was bleibt ist die Einsamkeit und vielleicht irgendwann ein nächster und übernächster bis zum Morgengrauen. Die Einsamkeit ist Pastell getüncht, in Beige und in Weiß mit schwarzen Tropfen. Eine zarte Blässe mit Kontrast.
Und es wirrt draußen umher, in der Nässe, welche wortlos an das Fenster schlägt. Es wirrt ins Leere, wie die Gedanken an das Unbegrenzte, an das Große, an das Mögliche, Unmögliche. Gelähmt, zuviel von nichts, zu wenig von allem: Es ist die Großstadtmelancholie, die Flut verschwimmt und lässt die Einzelheiten allein mit sich in pastellfarbenen Gedankenfenstern kauern.
Verraucht ranzige Tapeten, vergilbter Herzschlag und verwitterte Fassaden, blätternder Putz. Blätternde Alleen im Herbst. Kronleuchterlichtend Kopfschmerz im Dunklen der Nacht, während still und einsam Samtsofas rauschen. Häuserträume aus kleinen Gassen in riesigen Asphaltblüten münden. Wo sehnt sich der Rauch durch einen kleinen Fensterspalt, vergilbt die Einsamkeit im roten Samtgewand? Die Straße spielt ihre Melodie aus nervösen Blicken. Aus prunkvoll blätternden Fassaden. Das Nüchtern im Rausch des Dunstes. Dumpf berauscht, verraucht, vernüchtert. Ich gehe raus, gehe unter. Die Stadt schaut auf mich runter, die Straßen auf mich rauf und ich frag mich blass, ob es noch Wege ohne Ziele gibt.



Für meine zwei Schwestern
14.10.10 16:23
 


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